LEO Pharma auf Wachstumskurs

Neu-Isenburg, 21.02.2012 - 20 Jahre ist das dänische Pharma-Unternehmen LEO in Deutschland tätig. Trotz eines gesundheitspolitisch schwierigen Umfeldes ist LEO optimistisch. LEO-Chef Dr. Franz Peter Kesseler setzt auf Innovationen.



Ärzte Zeitung:
Herr Dr. Kesseler, LEO Pharma ist jetzt 20 Jahre in Deutschland. Was bedeutet dies für die Patientenversorgung?


Kesseler: Für Patienten mit Hauterkrankungen oder mit Thrombosen – das sind unsere beiden Indikationsschwerpunkte – sehr viel! Nehmen Sie eine Erkrankung wie die Psoriasis: Die Patienten fühlen sich stigmatisiert; sie werden zum Beispiel mit dem Problem konfrontiert, ob die Krankheit ansteckend ist. Hier wollen wir mit innovativen Patientenprogrammen helfen, die Patientenversorgung zu optimieren. Bei der Thrombosebehandlung arbeiten wir an verbesserten Devices, um die leitlinienkonforme Behandlung und Compliance mit niedermolekularen Heparinen zu verbessern.
 

Ärzte Zeitung: Sie arbeiten dazu auch mit Selbsthilfegruppen eng zusammen?


Kesseler: Das wollen wir jetzt deutlich intensivieren. Wir haben in unserer Zentrale in Neu-Isenburg die Position eines Patient-Relations-Manager etabliert, die sich intensiv mit den Patientenbedürfnissen im Krankheitsalltag auseinandersetzt.


Ärzte Zeitung: Sie wollen auch Schulungen entwickeln.


Kesseler: Wir werden auf Ärztenetze mit Dermatologen zugehen, um zum Beispiel Schulungen für Psoriasis-Patienten anzubieten und zu organisieren mit dem Ziel, Patienten im besseren Umgang mit ihrer Krankheit zu unterstützen.


Ärzte Zeitung: Mit dem Hautkrebs-Screening hat Deutschland international eine Vorreiterrolle übernommen. Welche Folgen hat das für Sie als internationales Unternehmen?


Kesseler: In der Tat ist es in der EU eine erfreuliche Sondersituation, dass die gesetzliche Krankenversicherung das Screening bezahlt. Für uns ist das eine Möglichkeit, die Erfahrungen, die in Deutschland gemacht werden, ins Ausland zu kommunizieren. Mit Spannung warten wir deshalb auf die Evaluationsdaten, die in den nächsten Jahren zum medizinischen Nutzen des Screenings veröffentlicht werden.


Ärzte Zeitung: Wie sieht konkret der Beitrag von LEO Pharma dazu aus?


Kesseler: Wir haben einen starken Fokus auf die aktinischen Keratosen und den hellen Hautkrebs. Dazu entwickeln wir mit dem Wirkstoff Ingenolmebutat ein ganz neues Arzneimittel. Unter dem Handelsnamen Picato® ist dieses Mittel von der FDA in den USA vor kurzem zugelassen worden. Die Substanz befindet sich derzeit auch im europäischen Zulassungsverfahren. Bislang ist das Behandlungsprocedere für Ärzte und Patienten kompliziert und langwierig, zumeist über mehrere Monate. Mit Ingenolmebutat dauert die Therapie nur noch zwei bis drei Tage.


Ärzte Zeitung: Ein richtiger Sprung?


Kesseler: Das kann man sagen. Bei der Erarbeitung des Dossiers für die frühe Nutzenbewertung wollen wir die Vorteile für den Arzt und für den Patienten herausarbeiten: sehr kurze Behandlungszeit mit deutlich geringerer Belastung im Vergleich zu den vorhandenen Therapiealternativen. Wir werden auch darstellen, welche positiven Auswirkungen eine solche Therapieverkürzung für das Gesundheitssystem hat. Das AMNOG ist für uns eine Realität, mit der wir konstruktiv umgehen. Wir haben jetzt schon Kontakt mit dem GBA aufgenommen und werden demnächst ein Beratungsgespräch in Berlin führen.


Ärzte Zeitung: Sie forschen auch in der Thrombosebehandlung. Mit welchen Zielen?


Kesseler: Für den Einsatz von niedermolekularen Heparinen beim Tumorpatienten mit Thrombose haben wir die weltweit größte Studie mit nahezu 1000 Patienten begonnen. Auch in Deutschland sind mehrere Zentren daran beteiligt. Das Ziel ist, für eine besonders wichtige Patientengruppe den spezifischen Zusatznutzen von innohep® evidenzbasiert herauszuarbeiten.


Ärzte Zeitung: Wie haben sich die sich ständig verändernden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für Ihr Unternehmen ausgewirkt?


Kesseler: Unsere Branche nimmt seit Jahren massive Interventionen von der Politik hin. Leider gibt es keine Planungssicherheit mehr. Das hält uns nicht davon ab, eine sehr detaillierte Planung für LEO Deutschland zu machen. Wir haben uns 2011 um 50 Prozent auf 180 Mitarbeiter vergrößert – auch wegen der Herausforderungen des AMNOG. Im letzten Jahr waren wir mit dieser Organisation und mit unserem Produkt-Portfolio schon sehr erfolgreich. Und auch 2012 erwarten wir weiteres Wachstum.


Ärzte Zeitung: Was verbirgt sich hinter den zusätzlichen Mitarbeitern an Kompetenz?


Kesseler: Da ist zum Beispiel eine zehnköpfige Gruppe zu nennen, die unsere klinische Forschung koordiniert. Neue Abteilungen werden ein qualifiziertes Nutzendossier vorbereiten. Außerdem brauchen wir für Patientenschulungen und für CME-basierte Ärztefortbildung Know how. Unsere Medical Liaison Manager leisten unter anderem einen intensiven kontinuierlichen Wissensaustausch mit klinischen Experten.


Ärzte Zeitung: LEO Pharma ist eine Stiftung. Was bedeutet das für die Geschäftspolitik des Unternehmens?


Kesseler: Wir haben kein Fremdkapital im Unternehmen, wir müssen keine Gewinne ausschütten, sondern wir können den gesamten erwirtschafteten Ertrag in Forschung und Entwicklung, aber auch in Business Development stecken. So haben wir vor zwei Jahren ein australisches Biotech-Unternehmen gekauft. Das hatte die interessante Substanz Ingenolmebutat, für die aber noch die aufwendigen Phase-3-Studien für die Zulassung gemacht werden mussten. Und wir wollen natürlich in neue Märkte wie Brasilien und China expandieren. Auch in Deutschland stehen die Zeichen klar auf Expansion. Vor zwei Jahren haben wir etwa 40 Millionen Euro umgesetzt, in diesem Jahr streben wir etwa 70 Millionen an.


Ärzte Zeitung: Was sind die Highlights im Jubiläumsjahr?


Kesseler: Zum 20. Geburtstag haben wir uns einiges vorgenommen. Das Wichtigste: Wenn wir stärker auf den Patienten fokussieren wollen, dann mit aller Konsequenz. Das muss von allen Mitarbeitern mit einem gemeinsamen Wertesystem gelebt werden. Das Zweite: Nach Jahren ohne Neueinführung beginnen die Vorbereitungen für den Launch unserer Innovation. Und drittens wollen wir unseren LEO-Weg konsequent fortsetzen und dies mit internen und externen Veranstaltungen thematisieren.

 

Quelle: Ärzte Zeitung

 

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